Dynamischer Gründungsstandort Kreis Borken – Gründungsakteure ziehen positive Bilanz beim 2. GO!-Gründungsgipfel

Der Gründungsstandort Kreis Borken beweist auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten seine Dynamik. Beim zweiten „GO!-Gründungsgipfel“ in Vreden kamen die Partnerinnen und Partner des regionalen Gründungsnetzwerks GO! Kreis Borken zusammen, um aktuelle Trends zu analysieren, Aktivitäten abzustimmen und erfolgreiche Praxisbeispiele sichtbar zu machen. Eingeladen hatte die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) für den Kreis Borken. Gastgeber war das Unternehmen LESANA Münsterland Pflege GmbH, das in diesem Jahr den 1. Platz beim Gründungspreis Westmünsterland 2026 belegt hat.

„Gründungen sind weit mehr als neue Unternehmen. Sie bringen neue Arbeitsmodelle, neue Prozesse und neue Formen der Zusammenarbeit in den Markt. Dadurch fordern sie bestehende Strukturen heraus und tragen dazu bei, dass sich eine Region immer wieder erneuert“, betonte WFG-Geschäftsführer Dr. Daniel Schultewolter. Gerade die mittelständische und kleinteilige Struktur im Westmünsterland sei eine Stärke, weil täglich viele unternehmerische Entscheidungen vor Ort getroffen würden.

Stabile Entwicklung der Gründungen im Kreis

Bei den kreisweiten Gründungen zeigte sich im Jahr 2025 ein deutlicher Trend zu Nebenerwerbsgründungen. Gründungen im Haupterwerb gingen im Vergleich zum Vorjahr um 2,77 Prozent zurück, während bei den Nebenerwerbsgründungen ein deutliches Plus von 7,56 Prozent zu verzeichnen war, so Christian Seega von der IHK Nord Westfalen. Insbesondere in den Bereichen Dienstleistung, Handel und Gastronomie wählen viele GründerInnen den sicheren Weg über den Nebenerwerb. Im Handwerk ging die Zahl der Neugründungen im Kreis um 2,9 Prozent zurück, die Stagnation erfolge jedoch auf hohem Niveau, so Norbert Kortenjan, betriebswirtschaftlicher Berater der Handwerkskammer Münster. Als Treiber der Dynamik erwiesen sich im Kreis die Gebäudereiniger mit 83 Neugründungen und das Kosmetikhandwerk mit 65 Neugründungen. Bei den zulassungspflichtigen Gewerken führte das Friseurhandwerk die Statistik mit 30 Neugründungen an, dicht gefolgt von den Elektrotechnikern mit 20 Gründungen. Mit insgesamt 5.546 Handwerksbetrieben zum Jahresende 2025 festigt der Kreis Borken seine Position als zweitstärkster Handwerksstandort im gesamten Kammerbezirk, direkt hinter Recklinghausen. Diese Stärke spiegelt sich auch auf dem Ausbildungsmarkt wider: 2.925 bestehende Ausbildungsverträge im Handwerk und 1.043 Neuabschlüsse im Jahr 2025 bedeuten eine Spitzenposition im Kammerbezirk Münster. Daniel Janning, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Borken, betonte in diesem Kontext die strategische Bedeutung der Qualifizierung: „Wer heute Fachkräfte ausbildet, schafft auch die Grundlage für die Unternehmerinnen und Unternehmer von morgen“.

Karin Hartmann von der Agentur für Arbeit Coesfeld ordnete die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt im Agenturbezirk ein, in dem die Arbeitslosigkeit 2025 im um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr stieg. Die Nachfrage nach dem Gründungszuschuss blieb mit 77 Bewilligungen im Kreis Borken auf einem stabilen Niveau.

Unternehmensnachfolge im Fokus

Als eine der zentralen Zukunftsaufgaben der kommenden Jahre identifizierten die Netzwerkpartner das Thema der Unternehmensnachfolge. Im Handwerk sind 39,95 Prozent der Unternehmensinhaber älter als 55 Jahre bzw. 24,08 Prozent älter als 60 Jahre. Ähnliche Zahlen konnte die IHK  ebenso für die insgesamt rund 14.500 eigentümergeführten Familienbetriebe im Kreis Borken berichten. Dies betrifft 37.000 Beschäftigte.1.700 der Familienunternehmen im Kreis erzielen einen Jahresgewinn von über 61.000 Euro. Diese sichern rund 24.500 Arbeitsplätze und stehen in den kommenden Jahren vor der Übergabe.

Best Practice: LESANA Münsterland Pflege GmbH

Wie aus einer persönlichen Motivation ein wachstumsstarkes Unternehmen entstehen kann, schilderten beim diesjährigen Gründungsgipfel Gründerin Nada Urbaitis und ihr Mann Frank Urbaitis mit großer Leidenschaft. Ihr 2021 gegründetes Unternehmen LESANA Münsterland Pflege beschäftigt heute mehr als 200 Mitarbeitende und betreut über 400 Kunden im Kreis Borken und angrenzenden Regionen. Im Frühjahr 2026 expandierte der Betrieb mit einem zweiten Standort nach Dorsten. Das Konzept hebt sich bewusst von klassischen Pflegediensten ab: LESANA erbringt keine medizinischen Pflegeleistungen, sondern fokussiert sich als Partner bestehender Dienste auf zeitintensive Grundpflege, Alltagsbegleitung, hauswirtschaftliche Unterstützung sowie Schul- und Kindergartenbegleitung. „Kein Einsatz dauert bei uns weniger als zwei Stunden“, erklärte Gründerin Nada Urbaitis. Der Gewinn des Gründungspreises Westmünsterland 2026 habe dem Unternehmen spürbare Sichtbarkeit und wertvolle neue Kontakte eingebracht.

GründungsCAMP für November 2026 geplant

Um das Thema Unternehmensgründung weiter als realistischen Karriereweg im Bewusstsein der Region zu verankern, setzt das Netzwerk GO! Kreis Borken auch zukünftig auf gezielte Veranstaltungsformate. Nach der positiven Resonanz im Vorjahr wird am 17. November 2026 das „GründungsCAMP“ im Rahmen der bundesweiten Gründungswoche neu aufgelegt. Die Veranstaltung bietet Gründungsinteressierten und jungen Unternehmen neben einer spannenden Keynote mehrere Fachsessions mit Themen rund um die Gründung und erfolgreiche Unternehmensführung und wertvolle Möglichkeiten zum Netzwerken.

„Der GO!-Gründungsgipfel zeigt, wie wichtig der Schulterschluss der regionalen Partner ist“, erklärte WFG-Gründungsberaterin Andrea Severiens und WFG-Gründungsberater Tobias Ebbing ergänzte: „Gründerinnen und Gründer brauchen Orientierung, belastbare Informationen und Menschen, die ihnen Türen öffnen. Genau dafür steht das Netzwerk GO! Kreis Borken.“

(v. l. ) Pascal Schlattmann, Volksbank Westmünsterland eG; Karin Hartmann, Agentur für Arbeit Coesfeld; Michael Terhörst, Stadt Vreden; Maren Mußenbrock, Gründungscoachin an der Westfälischen Hochschule; Nada und Frank Urbaitis von Lesana; Inken Steinhauser, AIW; Tobias Ebbing und Dr. Daniel Schultewolter, WFG; Markus Hartmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung bei der Handwerkskammer Münster; Norbert Kortenjan, Handwerkskammer Münster; Daniel Janning, Kreishandwerkerschaft Borken; Christian Seega, IHK Nord Westfalen; Andrea Severiens, WFG, nicht im Bild:  Katrin Damme, Stadt Ahaus.

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