Zwischen Zuversicht und Herausforderungen – WFG-Unternehmensbefragung zeichnet aktuelles Bild der Wirtschaftslage im Kreis Borken

Bürokratie, Arbeits- und Energiekosten bleiben größte Belastung

Die aktuelle Unternehmensbefragung der WFG für den Kreis Borken (WFG) zeigt ein differenziertes Bild der wirtschaftlichen Lage im Kreis Borken. Während die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage insgesamt positiver bewerten als noch im Vorjahr, sind die Erwartungen an die konjunkturelle Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten verhalten.

Die Ergebnisse stammen aus 349 Unternehmensantworten einer Online-Befragung auf Geschäftsführungsebene im Zeitraum vom 12. März bis 21. April 2026. Obwohl sich viele Be-triebe weiterhin mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert sehen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten in den nächsten Jahren beeinflussen, verdeutlichen die Ergebnisse dennoch die hohe Widerstandsfähigkeit der Unternehmen im Kreis Borken.

Aktuelle Geschäftslage verbessert sich

Die befragten Unternehmen schätzen ihre gegenwärtige wirtschaftliche Situation insgesamt besser ein als im Vorjahr. 14 Prozent der Befragten beurteilen die aktuelle wirtschaftliche Lage als sehr gut, 40 Prozent als gut, 36 Prozent als befriedigend. Für die kommenden zwölf Monate fallen die Konjunkturerwartungen jedoch zurückhaltender aus. Nur 6 Prozent schätzen die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage sehr günstig und 28 Prozent als günstig ein. 48 Prozent sehen die Entwicklung gleichbleibend. Unsichere Rahmenbedingungen und anhaltende Kostenbelastungen prägen weiterhin die Einschätzungen der Unternehmen. Trotz eines anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfelds zeigt sich damit die Stabilität vieler Betriebe in der Region.

Bürokratie und Kostenbelastungen dominieren die Sorgen der Unternehmen

Bei den wirtschaftlichen Hemmnissen zeigt sich ein klares Bild: Bürokratische Hürden, steigende Arbeitskosten und hohe Energiekosten werden von den Unternehmen weiterhin als die größten Belastungsfaktoren genannt, wobei die Belastung der steigenden Arbeitskosten mit 54 Prozent sowie die Belastung steigender Energiekosten mit 49 Prozent noch höher ein-geschätzt wird als noch im Vorjahr.

Zudem bereiten den Unternehmen im Kreis Borken steigende Rohstoffpreise und die geopolitische Unsicherheiten Sorgen – mit 38 bzw. 36 Prozent deutlich mehr noch als in 2025. Die aktuellen Herausforderungen erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf viele Betriebe und er-schweren Investitionsentscheidungen.

Fachkräftemangel bleibt trotz hohem Ausbildungsengagement

Die Unternehmensbefragung belegt ein unverändert hohes Engagement der Unternehmen in der Ausbildung. Rund 65 Prozent der Befragten engagieren sich als Ausbildungsbetrieb. Das Ausbildungsangebot im Kreis Borken zeigt sich damit auf einem stabilen Niveau. Vielfach wurden von den Unternehmen jedoch Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Ausbildungsplätze benannt. Die Ursache: Häufig fehlen ausreichend qualifizierte oder passende BewerberInnen. Dies kollidiert insbesondere mit dem Ziel, durch ein steigendes Ausbildungsangebot den steigenden Fachkräftebedarf zu mildern. Der Fach- und Arbeitskräftemangel bleibt insgesamt eine der zentralen Herausforderungen für die regionale Wirtschaft und wirkt zunehmend als Wachstumsbremse.

Niederlande bei internationalen Aktivitäten auf Platz eins

Bereits jedes dritte Unternehmen ist auf internationalen Märkten – vorwiegend in europäischen Ländern – aktiv. Beim innereuropäischen Engagement belegen die Niederlande Platz eins. Auslandsaktivitäten finden zudem in Nordamerika statt (23 Prozent), Asien (21 Prozent), gefolgt von China (19 Prozent). Die internationalen wirtschaftlichen Beziehungen unterstreichen somit die enge Vernetzung der regionalen Wirtschaft vor allem mit den europäischen Absatz- und Beschaffungsmärkten.

Unternehmensnachfolge bleibt wichtige Zukunftsaufgabe

Im Bereich Unternehmensnachfolge zeigt sich weiterhin Handlungsbedarf: Bei rund vier von zehn Unternehmen steht eine Nachfolge an. Bei 40 Prozent dieser betroffenen Unternehmen ist die Nachfolge laut Befragung noch nicht geregelt.

Angesichts des demografischen Wandels gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung, um langfristig Arbeitsplätze in der Region zu sichern und die wirtschaftliche Stabilität zu er-halten.

Digitalisierung, Innovation und Kundengewinnung als Wachstumstreiber

Trotz der bestehenden Herausforderungen sehen die Unternehmen weiterhin bedeutende Entwicklungschancen. Als wichtigste Wachstumspotenziale werden die Erweiterung des Kundenkreises, Digitalisierung und Technologien sowie innovative Produkte und Dienstleistungen genannt. An vierter Stelle steht Wachstum durch Fachkräfteentwicklung und Mitarbeiterentwicklung, gefolgt von der Energiewende und Nachhaltigkeit. Insgesamt fällt die Bewertung dieser Wachstumsmöglichkeiten etwas vorsichtiger aus als im Vorjahr. Das große Potenzial in diesen Bereichen wird erkannt, die Realisierungsmöglichkeiten werden unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch zurückhaltender eingeschätzt.

„Unsere jährliche Unternehmensbefragung macht deutlich, dass die Wirtschaft im Kreis Borken trotz schwieriger Rahmenbedingungen insgesamt robust aufgestellt ist. Gleichzeitig zeigt sie den Bedarf, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen weiter zu stärken. Die Ergebnisse zeigen, dass der Abbau bürokratischer Hürden dringend voranschreiten muss, und dass es dringend weiterer Reformen zur Reduzierung der Arbeits- und der Energiekosten bedarf, um im internationalen Wettbewerb Schritt halten zu können. Als Partner der Wirtschaft vor Ort passen wir unser Portfolio entsprechend der dringlichen unternehmerischen Herausforderungen laufend an. Aktuell startet unter dem Titel ReNet-EV ein neues Projekt in den Gewerbe-gebieten in Gronau (Gronau-Ost) und Bocholt (Industriepark) mit dem Ziel, Energiekosten zu reduzieren und die Energieversorgung nachhaltiger und netzdienlicher aufzustellen. Mit neuen Angeboten im Internationalisierungsbereich wie WFGgoNL, Veranstaltungen in den Bereichen KI und Innovation und weitere Angebote zur Förderung des MINT-Nachwuchses oder der Unternehmensnachfolge unterstützen wir die Unternehmen in einem breiten Themenspektrum“, so WFG-Geschäftsführer Dr. Daniel Schultewolter.

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